Daniel Boorstin über Illusionen und die Rettung durch Ideologien

„Wir laufen Gefahr, die ersten Menschen in der Geschichte zu sein, die ihre Illusionen so lebendig, so überzeugend, so „realistisch“ machen konnten, dass sie in ihnen leben können. Wir sind die am stärksten illusionierten Menschen auf Erden. Und doch dürfen wir es nicht wagen, uns von diesen Illusionen zu befreien, denn unsere Illusionen sind das eigentliche Haus, in dem wir wohnen; sie sind unsere Nachrichten, unsere Helden, unsere Abenteuer, unsere Kunstformen, unsere gesamte Erfahrung.

Früher wurden wir vor der Bedrohung durch Ideologien durch die Unfassbarkeit und das Versprechen des amerikanischen Traums bewahrt. Heute ersetzen wir die Dogmen, nach denen Menschen anderswo leben, durch die Bilder, in denen wir leben.

Wir sind dazu übergegangen zu glauben, unser Hauptproblem liege im Ausland. Wie können wir unsere Bilder in die Welt „projizieren“? Doch das Problem im Ausland ist nur ein Symptom unseres tieferen Problems im eigenen Land. Wir haben begonnen, an unsere eigenen Bilder zu glauben, bis wir uns selbst aus dieser Welt hinausprojiziert haben.“

Daniel Boorstin

Quellennachweis:

Daniel Joseph Boorstin (1914-2004), amerikanischer Historiker, Schriftsteller, von 1975 bis 1987 Direktor der Library of Congress und Mitglied der American Philosophical Society.

wikipedia.de


 

Daniel Boorstin

Librarian of Congress D. Boorstin


Original:

We risk being the first people in history to have been able to make their illusions so vivid, so persuasive, so “realistic” that they can live in them. We are the most illusioned people on earth. Yet we dare not become disillusioned, because our illusions are the very house in which we live; they are our news, our heroes, our adventure, our forms of art, our very experience.

Formerly we were saved from the menace of ideology by the elusiveness and the promise of the American dream. Now we replace the dogmas by which men live elsewhere, by the images among which we live. We have come to think that our main problem is abroad. How to “project” our images to the world? Yet the problem abroad is only a symptom of our deeper problem at home. We have come to believe in our own images, till we have projected ourselves out of this world.

The Image: A Guide to Pseudo-events in America
Daniel J. Boorstin, 1961.

Seite 240/241


Übersetzung: www.skynetblog.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

I accept that my given data and my IP address is sent to a server in the USA only for the purpose of spam prevention through the Akismet program.More information on Akismet and GDPR.