C. G. Jung über das Bewusste, Unbewusste und das Schicksal

C. G. Jung „Die Unvereinbarkeit der Gegensätze in der christlichen Psychologie beruht auf ihrer moralischen Betonung. Diese Betonung erscheint uns natürlich, obwohl sie historisch betrachtet ein Erbe des Alten Testaments mit seiner Herangehensweise an die Gerechtigkeit vor dem Gesetz ist.

Ein solcher Einfluss fehlt im Osten, in den philosophischen Religionen Indiens und Chinas, auffallend. Ohne die Frage zu erörtern, ob diese Verschärfung der Gegensätze, so sehr sie auch das Leid vergrößert, nicht letztlich einer höheren Wahrheit entspricht, möchte ich lediglich die Hoffnung zum Ausdruck bringen, dass die gegenwärtige Weltsituation im Lichte der oben erwähnten psychologischen Regel betrachtet werden kann.

Die Menschheit ist heute wie nie zuvor in zwei scheinbar unvereinbare Hälften gespalten. Die psychologische Regel besagt, dass sich eine innere Situation, wenn sie nicht bewusst gemacht wird, im Außen manifestiert, als Schicksal. Das heißt, wenn das Individuum ungeteilt bleibt und sich seines inneren Gegensatzes nicht bewusst wird, muss die Welt zwangsläufig den Konflikt ausleben und in gegensätzliche Hälften zerrissen werden.“

C. G. Jung

Quellennachweis:

Carl Gustav Jung (1875-1961), meist kurz C. G. Jung,
war ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie.

https://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gustav_Jung


 

C. G. Jung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Carl Gustav Jung (etwa 1935)

ETH Zürich (Bibliothek)

ETH-Bibliothek_Portr_14163
http://doi.org/10.3932/ethz-a-000046785

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engl. org.

„The irreconcilable nature of the opposites in Christian psychology is due to their moral accentuation. This accentuation seems natural to us, although, looked at historically, it is a legacy from the Old Testament with its emphasis on righteousness in the eyes of the law. Such an influence is notably lacking in the East, in the philosophical religions of India and China. Without stopping to discuss the question of whether this exacerbation of the opposites, much as it increases suffering, may not after all correspond to a higher degree of truth, I should like merely to express the hope that the present world situation may be looked upon in the light of the psychological rule alluded to above. Today humanity, as never before, is split into two apparently irreconcilable halves. The psychological rule says that when an inner situation is not made conscious, it happens outside, as fate. That is to say, when the individual remains undivided and does not become conscious of his inner opposite, the world must perforce act out the conflict and be torn into opposing halves.“

Aus:

Collected Works of C.G. Jung, Volume 9, Part I (The Archetypes and the Collective Unconscious), paragraph 126 is located within the essay titled „Psychological Aspects of the Mother Archetype“ (originally published in 1938/1954).


Anmerkung:

Häufig paraphrasiert als:

„Solange du das Unbewusste nicht bewusst machst, wird es dein Leben bestimmen und du wirst es Schicksal nennen.“


 

Übersetzung: www.skynetblog.de

 

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