[Zitat] Wolfgang Herles über politische Talkshows

„[Die politische Talkshow] ist ein Kasperletheater. Es gibt das Krokodil und die Oma, die müssen aufeinander losgehen. Da werden Sie zu einem Casting eingeladen, wo Ihnen zwanzig Fragen gestellt werden. Dann ruft man Sie zurück und sagt: „Sie passen nicht so ganz ins Konzept.“ Oder Sie passen eben ins Konzept und dann werden die weiteren Gäste vorgestellt. Wenn Sie die Namen hören, wissen Sie, ob Sie das Krokodil oder die Oma sind.“

Wolfgang Herles

Quellennachweis:

Wolfgang Herles (1950-), deutscher Journalist und Schriftsteller.

https://de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Herles


Wolfgang HerlesWolfgang Herles

Datum: 10. Oktober 2014
Quelle: Wolfgang Herles (2014)
Urheber: blu-news.org

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amerikanisch) lizenziert.


Aus dem Interview:

Das Diktat der Quote


Auszug:

Frage: Es gibt ja Leute, die das ein bisschen härter sehen als Sie. Der Kollege Hanfeld von der „FAZ“ hat dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorgeworfen, ein „Willkommensrundfunk“ im Auftrag Merkels zu sein. Ein Vorwurf, der sich nach den Ereignissen von Köln noch verschärft hat. Da müsste jemand wie Sie jetzt sagen: Da sitzt niemand, der uns sagt, was wir tun sollen. Oder Sie sagen: Es könnte schon sein, dass da jemand von oben nach unten etwas durchgewinkt hat.

Nein, das bestreite ich vehement, da ist nichts von oben befohlen. Fernsehen funktioniert als große Simplifizierungsmaschine. Komplexität wird nicht zugelassen aus Quotengründen. Nun haben wir aber ein sehr komplexes Thema, damit wird sich aber nicht befasst. Es wird auf das gesetzt, was nicht komplex ist, und das ist das Emotionale. Das ist wunderbar: Da stehen jeden Tag 10.000 Leute auf dem Münchner Hauptbahnhof und empfangen die Flüchtlinge und wir verhalten uns menschenwürdig. Ich will mich da nicht drüber lustig machen, ich mache mich lustig über die, die glauben, man könne dieses Thema so simplifizieren. Seit Köln schlägt das aber in die andere Richtung. Die Berichterstattung ist da genauso unreflektiert wie die Berichterstattung über die Willkommenskultur.

Frage: Wenn unsere öffentliche Debatte ein höheres Niveau gehabt hätte, wäre uns diese hochgeschlagene Debatte erspart geblieben?

Demokratie heißt für mich Diskurs, da bin ich bei Jürgen Habermas. Und um diesen Diskurs führen zu können, gibt es die Medien und die Gebühren. Diesen Auftrag hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk verraten. Die Intendanten haben ihre Seele dem Beelzebub der Quote verschrieben und gehen ihrem gesellschaftlichen Auftrag nicht mehr nach.


Buchtipp:

Wolfgang Herles – Die Gefallsüchtigen
Gegen Konformismus in den Medien und Populismus in der Politik

Wolfgang Herles

Albrecht Knaus Verlag (14. September 2015)
256 Seiten (Gebundene Ausgabe)
ISBN-10: 3813506681
ISBN-13: 978-3813506686
Sprache: Deutsch


 

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