Simulierte Konsonanz (eine Hypothese)

Wie eine Konsonanz in den Massenmedien entstehen kann und warum es zu Dissonanzen zwischen Massenmedien und Rezipienten kommen kann, habe ich zuvor bereits erklärt. Dieser Artikel wird darstellen, wie eine simulierte Konsonanz erreicht werden könnte. Es ist (m)eine Hypothese.
Kann eine unnatürliche, künstliche Konsonanz, die einen künstlichen sozialen Konsens simuliert, in den Massenmedien konstruiert und aufrechterhalten werden?

Dieser Beitrag erscheint ergänzend zu der Serie über Vorurteilskriminalität
(Hate Speech) auf diesem Blog.

Definition der Begriffe:

  • Paternalismus
  • Meinung
  • Kartell
  • Schweigekartell
  • sozialer Konsens
  • Schweigespirale
  • Netzwerk

In einem meiner letzten Artikel habe ich das Wort “Meinungskartell” verwendet.
In diesem Beitrag erkläre ich das Sprachbild des Begriffes und seine Verwendung an einem konkreten Beispiel.

Es gibt in den Massenmedien thematische Frames, die konstruiert und aufrechterhalten werden. Dies geschieht durch Kampagnen als auch durch natürliche Konsonanzen.
Bei meiner Recherche über die Amadeu Antonio Stiftung (AAS) und dem Netzwerk, dass aus Vereinen, Stiftungen und einzelnen Akteuren besteht, ist mir eine weitere Stiftung aufgefallen, die sehr gute Verbindungen zu den Massenmedien unterhält.


Meinungsdiktat durch Meinungskartelle

Eine wichtige Eigenschaft einer Diktatur ist das Fehlen einer Opposition. Das gleiche Prinzip kann auch bei dem Meinungsdiktat beobachtet werden. Kritiker der Regierung sind zum Beispiel “Wutbürger”, Besorgte Bürger oder Menschen, denen einfach “Hass” oder “Hass Sprache” (Hate Speech) unterstellt wird. Attribute, die eine disqualifizierende Auswirkung (Sprachbild) haben und gleichzeitig die sachliche Kritik ausblenden und eine Debatte erschweren.


Die Methode des paternalistischen Regierens habe ich im Zusammenhang mit der Methode des Nudging (Was ist Nudging?) bereits beschrieben.

Mit Paternalismus (von lat. pater = „Vater“) wird eine Herrschaftsordnung beschrieben, die ihre Autorität und Herrschaftslegitimierung auf eine vormundschaftliche Beziehung zwischen Herrscher/Herrschern und beherrschten Personen begründet. Der familiäre Bereich wird dabei meist in der Betrachtung ausgeklammert.

Als paternalistisch wird umgangssprachlich auch eine Handlung bezeichnet, die gegen den Willen, aber auf das vermeintliche Wohl eines anderen ausgerichtet ist. Paternalistische Regelungen werden von den Adressaten häufig als Bevormundung angesehen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Paternalismus


Es ist demnach nur zu unserem Besten, wenn der Hass (Hate Speech) aus dem Internet verschwindet. Was Hass ist, entscheiden die Personen, die über die Deutungshoheit verfügen. Also die Personen, die die Möglichkeit haben ein Ereignis zu definieren und ihre Meinung dann einer Masse an Menschen (Publikum) mitzuteilen (Massenmedien).


Begriffsdefinitionen:

Unter einer Meinung wird in der Erkenntnistheorie eine von Wissen und Glauben unterschiedene Form des Fürwahrhaltens verstanden.

Nach einer verbreiteten philosophischen Begriffsverwendung ist das Meinen ein Fürwahrhalten, dem sowohl subjektiv als auch objektiv eine hinreichende Begründung fehlt. Dadurch unterscheidet sich das Meinen vom Glauben und vom Wissen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Meinung


Kartell ist ein mehrdeutiger Begriff, der in der Regel einen Zusammenschluss oder eine Vereinbarung zwischen Konkurrenten bezeichnet, aber – davon abgeleitet – auch abwertend für organisierte Kriminalität steht. Die Hauptverwendung von Kartell ist die eines Kartells in der Wirtschaft. In der Politik bezeichnet es ein befristetes Bündnis mehrerer Parteien etwa im Wahlkampf. Die wissenschaftliche Analyse von Kartellen geschieht in der Kartelltheorie.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kartell


Unter einem Schweigekartell versteht man eine kalkulierte Informationsunterdrückung, eine Vereinbarung oder ein gleichgerichtetes Verhalten, bei dem die Akteure bestimmte, für andere Betroffene wichtige Informationen nicht preisgeben respektive für sie selbst unvorteilhafte Themen konsequent nicht ansprechen, also totschweigen. Es handelt sich dabei nicht um ein echtes Kartell im Sinne eines organisierten Bündnisses von Konkurrenten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigekartell


Meinungskartell

Zusammenfassend bezeichnet ein Meinungskartell (nach meiner Definition/Hypothese) das Gegenteil eines Schweigekartells. Es sollen keine Informationen unterdrückt werden, sondern bestimmte Informationen sollen promotet und publiziert werden, also gepusht werden. Der Zusammenschluss von Konkurrenten (ARD und ZDF, oder Der Spiegel und Die Zeit) zu diesem Ziel kann temporär sein oder sich nur auf ein einzelnes “Fürwahrhalten” beschränken.
(Vgl. Public Relations PR)

Beispiele solcher Meinungskartelle könnten das Fürwahrhalten des “Fachkräftemangels” oder auch das Leugnen des “Klimawandels” sein und sie können überregional und überparteilich wirksam werden.


Ausdrücklich spreche ich nicht von einem Medienkartell.
Ein Medienkartell wäre ein Zusammenschluss oder eine Vereinbarung zwischen Konkurrenten, um wirtschaftliche Ziele zu erreichen, wenn zum Beispiel ein Verlag einen anderen aufkauft, um regional die Marktmacht oder Zugang zu besseren Vertriebswegen zu erhalten. Das Ausschalten von Konkurrenten bedeutet nicht gleichzeitig auch das Ausschalten von anderen Meinungen. Es erschwert aber vielleicht deren Veröffentlichung.


Meinungsdiktat

Aus einem Meinungskartell könnte sich dann ein Meinungsdiktat entwickeln, wenn diese Vereine, Stiftungen, Thinktanks (Denkfabriken), Verlage oder Akteure (Kartelle) aufgrund ihrer Reichweite und Präsenz nicht ausreichend Raum für eine gesellschaftliche Meinungsvielfalt zulassen, so wie es im Staatsvertrag für Rundfunk und Telemedien vorgesehen war.
Dieses Pattern passiert nicht direkt, nicht durch Zensur oder Verbote.

Es sind subtilere Komponenten, “bestrafende Komponenten”, zum Beispiel das verächtlich oder lächerlich machen von anderen Meinungen. Eine weitere Methode ist das absichtliche Verwischen der Grenzen verschiedener Sprachbilder. So sind alle rechten Meinungen nicht mehr von rechtsextremen oder rechtsradikalen Meinungen zu unterscheiden oder sind per se auch gleich rassistisch und oder antisemitisch. Diese Begriffe (Sprachbilder) werden oft gleichwertig eingesetzt und benutzt und das ist falsch. Die Begriffe Nationalsozialismus und Rassismus werden darüber hinaus von Politikern und Massenmedien inflationär gebraucht.
Den Anderen einen wirtschaftlichen Schaden zuzufügen (Boykott der Werbekunden) ist ebenfalls eine Methode, um “unliebsame Meinungen” in ihrer Wirkung einzugrenzen.

Auch Urheberrechte werden gerne genutzt, um “Content” verschwinden zu lassen.


Sozialer Konsens

Der Konsens bedeutet die übereinstimmende Meinung von Personen zu einer bestimmten Frage ohne verdeckten oder offenen Widerspruch.
https://de.wikipedia.org/wiki/Konsens

Zum Beispiel bei den brutalen Überfällen und Angriffen, bei denen Menschen Bahnhofstreppen hinunter oder vor eine fahrende U-Bahn gestoßen werden, gibt es den gesellschaftlichen Konsens, dass solche Taten zu verachten sind. Darum melden sich auch prominente Schauspieler zu Wort und versprechen ein “Kopfgeld” (Belohnung) für Hinweise die zum Täter führen.
Diese Personen haben nichts zu befürchten oder zu verlieren, sie müssen keine Kritik oder Verachtung für ihre Meinung fürchten. Ihre Meinung ist schon Mainstream.
Das ist ein natürlicher sozialer Konsens.

Ein künstlicher Konsens wäre die Aussage, wie sie jeden Tag in verschiedenen Massenmedien zu finden ist, zum Beispiel, dass Donald Trump ein schlechter Präsident sei. Das kann vielleicht so sein, aber darüber gab es vor der Wahl keinen Konsens in der Gesellschaft, wie das Ergebnis der Wahl auch gezeigt hat. Aber dieser Konsens (Frame) wurde in den Massenmedien behauptet, er wurde simuliert und wird seit der Wahl auch weiterhin aufrechterhalten.

Hillary Clinton liegt zwar mit 65,4 Millionen Stimmen rund 2,6 Millionen Stimmen vor Donald Trump mit 62,8 Millionen Stimmen.
http://www.uswahl.lpb-bw.de/wahlergebnis_uswahl2016.html


Die Zahlen zeigen aber deutlich, dass es keinen gesellschaftlichen Konsens in dieser Frage gab und gibt. Dieser Konsens müsste erst erarbeitet werden. Das wird aber “verunmöglicht”, den jede Person, die sich für Donald Trump ausspricht, wird von dem simulierten Konsens an den Rand der Gesellschaft gedrängt (Rassisten) und gesellschaftlich ausgeschlossen, während die Prominenz in Hollywood öffentlich ihre Verachtung für Donald Trump bei den Emmy Awards 2017 erklären kann (Meinungsmacht). Dieser Konsens ist nur eine Simulation.

Aber die Auswirkungen gegen einen aufgezwungenen, künstlichen Konsens zu verstoßen, sind identisch, so als würde jemand gegen einen natürlichen Konsens verstoßen (bürgerlicher, sozialer tot). Kampagnen und Akteure in den Massenmedien machen es möglich. (Vgl. Framing)
Es ist doch Bigott, wenn sich die Hollywood Prominenz, also Multimillionäre in der Öffentlichkeit dazu äußern, wen die Empfänger von Essensmarken wählen sollten.
Diese Personen könnten es durch ihr Vermögen ermöglichen, dass arme Menschen eine kostenlose Gesundheitsversorgung erhalten. Durch vorbildliches Verhalten könnten Menschen überzeugt werden, zum Beispiel einen Donald Trump nicht zu wählen. Stattdessen kann hier die paternalistische Methode (das Bevormunden) wieder einmal sehr deutlich beobachtet werden.


Ein anderes Beispiel ist die #metoo Kampagne. Als die ersten Frauen sich zu Wort meldeten und der Konsens nicht absehbar war, riskierten diese Personen etwas, mindestens ihren guten Ruf. Danach riskierte niemand mehr irgendwas und viele verschiedene Personen schlossen sich der Kampagne an, als sie schon Mainstream war. Es war schon sozialer Konsens. Es braucht keinen Mut öffentlich zu sagen: “Ich finde es nicht gut, andere die Treppe hinunterzustoßen”. Mut brauchen hingegen die Ersten, die sich zu Wort melden, die den vermeintlichen sozialen Frieden stören.


Als die ersten Bürger in der ehemaligen DDR auf die Straße gingen, war der Protest mit einem großen Risiko verbunden, mit Gefängnis und anderen Strafen. Diese Bürgerrechtler verdienen Respekt. Als die “kritische Masse” erreicht war, wurde es Konsens, dass sich der Staat verändern müsste. Und Mitläufer riskierten noch nie etwas in der Geschichte.

Ist diese “Mainstreamspirale” der sich immer mehr Menschen anschließen, das Gegenteil der Schweigespirale?


Schweigespirale

Schweigespirale nennt sich ein Teil der in den 1970er-Jahren von Elisabeth Noelle-Neumann formulierten Theorie der öffentlichen Meinung. Demnach hängt die Bereitschaft vieler Menschen, sich öffentlich zu ihrer Meinung zu bekennen, von der Einschätzung des Meinungsklimas ab. Widerspricht die eigene Meinung der als vorherrschend betrachteten Meinung, so gibt es Hemmungen, sie zu äußern, und zwar umso stärker, je ausgeprägter der Gegensatz wird. Daher der Begriff der Spirale.

Die Massenmedien, vor allem das Fernsehen, können erheblichen Einfluss auf die Rezipienten und damit auf die öffentliche Meinung ausüben, indem sie dem Einzelnen gegenüber eine bestimmte Meinung als angebliche Mehrheitsmeinung präsentieren und ihn so unter Druck setzen, sich nicht andersartig zu äußern. Damit steht die Schweigespirale für eine erneute Hinwendung der Medienwirkungsforschung zur „vierten Gewalt“, einer Hypothese der „mächtigen Medien“.
https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

(Vgl. Deutungshoheit)


Fazit der Hypothese (simulierte Konsonanz)

Ausgehend von der Methode des Paternalismus wird die Problematik deutlich.
“Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.” (…)
“gegen den Willen, aber auf das vermeintliche Wohl eines anderen”.

Es wird also nicht mehr versucht, den (im besten Sinn) politischen Gegner (nicht zu verwechseln mit einem Feind) mit Argumenten zu überzeugen, sondern durch psychologische und rhetorische Methoden zu überlisten oder zu diffamieren und damit im Endeffekt zum Schweigen zu bringen. Hierbei geht es nicht darum, dass jemand die Aussage eines Anderen nicht hören oder lesen will (einfach blockieren), sondern man will erreichen, dass der Andere es nicht mehr sagen darf oder kann.
Das ist ein großer Unterschied.

Angriffe auf das Einkommen und das soziale Umfeld des vermeintlichen “Feindes” nehmen inzwischen ebenso zu, wie die politische motivierte Gewalt.

Sachliche Diskussionen werden erschwert und dieses Problem hat inzwischen auch die Wissenschaft erreicht. Menschen werden bevormundet. Dadurch entfernen wir uns immer weiter von dem Prinzip “These – Antithese – Synthese”. Somit kann auch die Antithese nicht länger als korrektiv fungieren. Und weil das Korrektiv fehlt, können  unbelegte oder irrationale Meinungen und Behauptungen zum Mainstream werden.
Irrationales kann durch Mangel an Widerspruch zum Leitmotiv einer Gesellschaft werden.

In sozialen Medien nehmen wir den Menschen die Möglichkeit, sich öffentlich zu Entschuldigen und aus ihren Fehlern zu lernen, wenn sie aus der Öffentlichkeit “gelöscht” und verbannt werden.
Eine Selbstregulierung der Gemeinschaft ist dann nicht mehr möglich.
Feindbilder und Vorurteile können sich verfestigen und sind irgendwann nicht mehr aufzulösen.


Das Ziel dieser Kampagnen ist nicht die Zensur, wie viele Menschen immer noch annehmen, sondern die Selbstzensur.


Ein Beispiel zum Thema “simulierte Konsonanz”.  […]


Quellennachweise:

Konsonanz in den Massenmedien

Dissonanzen zwischen Massenmedien und Rezipienten

Was ist Hate Speech?

Was ist Nudging?


https://de.wikipedia.org/wiki/Denkfabrik

https://de.wikipedia.org/wiki/Paternalismus

https://de.wikipedia.org/wiki/Meinung

https://de.wikipedia.org/wiki/Kartell

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigekartell

https://de.wikipedia.org/wiki/Konsens

https://de.wikipedia.org/wiki/Bigotterie

https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale

http://www.uswahl.lpb-bw.de/wahlergebnis_uswahl2016.html

http://www.rp-online.de/panorama/u-bahn-treter-polizei-auf-der-spur-des-berliner-taeters-aid-1.6463618

http://www.ard.de/download/538848/Staatsvertrag_fuer_Rundfunk_und_Telemedien_in_der_Fassung_des_19__Aenderungsstaatsvertrags_vom_3__bis_7__12__2015.pdf


 

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