„Falls Freiheit überhaupt etwas bedeutet, dann bedeutet sie das Recht darauf, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“

George Orwell

Quellennachweis:

George Orwell (1903-1950), englischer Schriftsteller und Journalist

https://de.wikipedia.org/wiki/George_Orwell

George Orwell 1943
Dieses Medium (Bild, Gegenstand, Tondokument, …) ist gemeinfrei, da das Urheberrecht abgelaufen ist und die Autoren anonym sind. Das gilt in der EU und solchen Ländern, in denen das Urheberrecht 70 Jahre nach anonymer Veröffentlichung erlischt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:George_Orwell_press_photo.jpg


Im Jahr 1945 schrieb George Orwell eine Einleitung zu „Farm der Tiere“. Sie wurde nicht gedruckt und blieb bis heute unbekannt. Sie erscheint hier unter Orwells Titel:

The Freedom of the Press.

Auszug:

The issue involved here is quite a simple one: Is every opinion, however unpopular — however foolish, even — entitled to a hearing? Put it in that form and nearly any English intellectual will feel that he ought to say ‘Yes’. But give it a concrete shape, and ask, ‘How about an attack on Stalin? Is that entitled to a hearing?’, and the answer more often than not will be ‘No’. In that case the current orthodoxy happens to be challenged, and so the principle of free speech lapses. Now, when one demands liberty of speech and of the press, one is not demanding absolute liberty. There always must be, or at any rate there always will be, some degree of censorship, so long as organised societies endure. But freedom, as Rosa Luxembourg [sic] said, is ‘freedom for the other fellow’. The same principle is contained in the famous words of Voltaire: ‘I detest what you say; I will defend to the death your right to say it.’ If the intellectual liberty which without a doubt has been one of the distinguishing marks of western civilisation means anything at all, it means that everyone shall have the right to say and to print what he believes to be the truth, provided only that it does not harm the rest of the community in some quite unmistakable way. Both capitalist democracy and the western versions of Socialism have till recently taken that principle for granted. Our Government, as I have already pointed out, still makes some show of respecting it. The ordinary people in the street – partly, perhaps, because they are not sufficiently interested in ideas to be intolerant about them – still vaguely hold that ‘I suppose everyone’s got a right to their own opinion.’ It is only, or at any rate it is chiefly, the literary and scientific intelligentsia, the very people who ought to be the guardians of liberty, who are beginning to despise it, in theory as well as in practice.

https://www.nytimes.com/1972/10/08/archives/the-freedom-of-the-press-orwell.html

https://www.orwellfoundation.com/the-orwell-foundation/orwell/essays-and-other-works/the-freedom-of-the-press/


Die Frage, um die es hier geht, ist ganz einfach: Hat jede noch so unpopuläre – und sei sie noch so töricht – Meinung das Recht, gehört zu werden? Wenn man diese Frage in dieser Form stellt, wird fast jeder englische Intellektuelle meinen, dass er “Ja” sagen sollte. Aber geben Sie der Frage eine konkrete Form und fragen Sie: “Wie steht es mit einem Angriff auf Stalin? Hat der Anspruch auf Anhörung?”, und die Antwort wird in den meisten Fällen “Nein” lauten. In diesem Fall wird die geltende Orthodoxie in Frage gestellt, und damit ist der Grundsatz der Redefreiheit hinfällig. Wenn man Rede- und Pressefreiheit fordert, bedeutet das nicht, dass man absolute Freiheit verlangt. Ein gewisses Maß an Zensur muss es immer geben oder wird es jedenfalls immer geben, solange es organisierte Gesellschaften gibt. Aber Freiheit ist, wie Rosa Luxemburg [sic] sagte, “Freiheit für den anderen”. Derselbe Grundsatz ist in den berühmten Worten Voltaires enthalten: “Ich verabscheue, was du sagst; ich werde dein Recht, es zu sagen, bis zum Tod verteidigen.
Wenn die intellektuelle Freiheit, die zweifelsohne eines der Kennzeichen der westlichen Zivilisation ist, überhaupt etwas bedeutet, dann, dass jeder das Recht haben soll, das zu sagen und zu drucken, was er für die Wahrheit hält, vorausgesetzt, es schadet dem Rest der Gemeinschaft nicht auf unmissverständliche Weise. Sowohl die kapitalistische Demokratie als auch die westlichen Versionen des Sozialismus haben diesen Grundsatz bis vor kurzem als selbstverständlich angesehen. Unsere Regierung tut, wie ich bereits erwähnt habe, noch immer so, als ob sie ihn respektieren würde. Die einfachen Leute auf der Straße – vielleicht auch deshalb, weil sie sich nicht genügend für Ideen interessieren, um ihnen gegenüber intolerant zu sein – sind immer noch vage der Meinung: “Ich nehme an, jeder hat ein Recht auf seine eigene Meinung”. Nur, oder zumindest hauptsächlich, die literarische und wissenschaftliche Intelligenz, die eigentlich die Hüter der Freiheit sein sollten, beginnen sie zu verachten, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis.


Übersetzung: skynetblog.de


Oder:
George Orwell| Farm der Tiere | Ein Märchen | Org. Animal Farm (1945) |
Seite 126 | Aus dem Nachwort | Nach einer Übersetzung von Michael Walter
Diogenes Verlag | ISBN10: 978-3-257-20118-5