[doku] Künstler im Netz der CIA (ARD2011)

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skynetblog.de - Netz der CIADokumentation:
Benutzt und gesteuert – Künstler im Netz der CIA“

Die Dokumentation der ARD aus dem Jahr 2011 zeigt, wie der US-amerikanische Geheimdienst CIA über ein Netzwerk, über Stiftungen und andere nicht öffentliche Kanäle, verschiedene Künstler und Zeitschriften (Der Monat) in Europa finanzierte. Der „Kongress für kulturelle Freiheit“ (Congress for Cultural Freedom, CCF) erschloss dadurch langfristig nicht nur einen neuen Markt für den Export der US-Amerikanischen Kulturprodukte, sondern beeinflusste während des kalten Krieges die europäischen (linksliberalen) Künstler auch in „prowestlichen Haltungen“ und versuchte sie gegen das „kommunistische Lager“ zu positionieren.

„Benutzt und gesteuert – Künstler im Netz der CIA“ folgt den Spuren der geheimdienstlichen Kulturarbeit anhand zahlreicher Dokumente, die in US-Archiven lagern und über die damaligen Arbeitszentren in der Bundesrepublik Auskunft geben.
Der Dokumentarfilm entstand nach dreijähriger Recherchearbeit.
www.ard.de

Benutzt und gesteuert – Künstler im Netz der CIA

Die Dokumentation lief leider in der Nacht von 01:05 – 02:00 Uhr (…) in der ARD,
zuvor schon einmal bei ARTE.

Der Dokumentarfilm weist nach, dass die Einflussnahme der CIA nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die Redaktionen westdeutscher Verlage und Sender reichte und dass Künstler wie Heinrich Böll unwissentlich für den Geheimdienst tätig waren.

Mehrere hundert Millionen Dollar investierte der US-Auslandsgeheimdienst, um in einer der größten Nachkriegsoperationen ein weltweites Kulturnetz zu knüpfen. Zentrum der CIA-Aktivitäten war der „Kongress für kulturelle Freiheit“ – eine Organisation mit Sitz in Paris unter vollständiger Kontrolle der dort tätigen US-Agenten. Nationale Zweigorganisationen unterhielt der „Kongress“ in sämtlichen Staaten Westeuropas. Die Pariser Zentrale finanzierte in großem Stil „Kongress“-Zeitschriften für den Einsatz in Afrika, Lateinamerika und den arabischen Ländern. Ziel war der Kampf für amerikanische Werte in Bildender Kunst, Literatur und Musik. Insbesondere sozialkritische Intellektuelle und Künstler aus dem linken Lager waren für den „Kongress“ von Interesse. Mit geheimdienstlichen Mitteln sollten sie marxistischen Einflüssen entzogen und für den Einsatz an der US-Kulturfront bereitgemacht werden.
Benutzt und gesteuert | Künstler im Netz der CIA | ARD |  20.06.11 | www.ard.de


Tiefenindoktrination

Tiefenindoktrination zielt auf längerfristig angelegte Prozesse der Vermittlung politischer und gesellschaftlicher Weltbilder und Wertesysteme.
Diese Weltbilder oder ‚Narrative‘ werden kognitiv und affektiv so tief verankert, dass sie uns gar nicht mehr als ideologische Weltbilder bewußt sind, sondern als Selbstverständlichkeit erscheinen. Dadurch sind sie weitgehend gegen Fakten und Kritik immun. Mit einer Tiefenindoktrination können also nicht nur ‚störende‘ Fakten kognitiv und affektiv unsichtbar gemacht werden, sondern gleich ganze Denkräume und Denkmöglichkeiten. Die Vermittlungsinstanzen von Tiefenindoktrinationen sind alle Sozialisationsinstanzen, Medien und die Kultur- und Unterhaltungsindustrie. Insbesondere gehören Schulen und Universitäten zu den zentralen Vermittlungsinstanzen von Tiefenindoktrination. Historisch ist dies nicht überraschend, denn die allgemeine Schulpflicht beispielsweise wurde nicht eingeführt, um mündige Bürger zu erzeugen, sondern um „fromme Kirchgänger und gehorsame Staatsdiener“ zu schaffen.
Prof. Dr. Rainer Mausfeld  |  www.uni-kiel.de  |  PDF  |  Seite 18

Der Monat

Der Monat erschien in Berlin-Dahlem und war strikt antikommunistisch ausgerichtet. Als Herausgeber fungierte Melvin Lasky, später gemeinsam mit Helmuth Jaesrich. Das Office of Military Government for Germany (U.S.) (US-Militärregierung in Deutschland) finanzierte die Zeitschrift zu erheblichen Teilen mit. In den 1960er Jahren war Fritz René Allemann einer der Herausgeber. Sie sollte den intellektuellen Austausch insbesondere von liberalen, sozialkritischen und linken Intellektuellen – den sogenannten nichtkommunistischen Linken – im Diskussionsrahmen des Kongresses für kulturelle Freiheit herstellen, wobei antiamerikanisch oder kommunistisch denkende Intellektuelle isoliert bzw. in ihrer öffentlichen Wirksamkeit reduziert werden sollten. 1966 wurde aufgedeckt, dass die Gelder von der CIA über US-amerikanische Stiftungen flossen. Zu diesem Zeitpunkt wurde Der Monat an Die Zeit verkauft.
www.wikipedia.org


„Mittlerweile, bis in die Gegenwart hinein, ist jawohl auch dem letzten und damit auch mir deutlich geworden, das dieser CIA eine kriminelle Vereinigung ist. Das teilt er mit vielen Geheimdiensten.“

Günter Grass (1927-2015), deutscher Schriftsteller
Benutzt und gesteuert | Künstler im Netz der CIA |
ARD |  20.06.11 | 50min25sek.


Hier finden Sie eine Liste mit weiteren, bekannt gewordenen Operationen der CIA.

Benutzt und gesteuert – Künstler im Netz der CIA“ (ARD20211)

Dokumentation  | 
Benutzt und gesteuert  |  Künstler im Netz der CIA  |  ARTE  |
ARD  |  20.06.11  |  01:05 – 02:00 Uhr  |  Regie: Hans-Rüdiger Minow  |  51min18sek
YouTube


Nachtrag, 14.02.2025

An dieser Stelle noch ein Auszug aus dem Artikel „Modern art was CIA ‚weapon’“ des Independent.co.uk von 1995.

In der Kunstszene war es jahrzehntelang entweder ein Gerücht oder ein Scherz, aber jetzt ist es eine Tatsache. Die Central Intelligence Agency setzte die moderne amerikanische Kunst – darunter die Werke von Künstlern wie Jackson Pollock, Robert Motherwell, Willem de Kooning und Mark Rothko – als Waffe im Kalten Krieg ein. In der Manier eines Renaissance-Fürsten – mit dem Unterschied, dass sie im Geheimen agierte – förderte die CIA mehr als 20 Jahre lang die amerikanische Malerei des Abstrakten Expressionismus in der ganzen Welt.

Die Verbindung ist unglaublich. In den 1950er und 1960er Jahren, als die große Mehrheit der Amerikaner die moderne Kunst ablehnte oder sogar verachtete, brachte Präsident Truman die allgemeine Meinung auf den Punkt, als er sagte „Wenn das Kunst ist, dann bin ich ein Hottentotte“. Was die Künstler selbst anbelangt, so waren viele von ihnen ehemalige Kommunisten, die im Amerika der McCarthy-Ära kaum akzeptiert wurden, und sicherlich nicht die Art von Menschen, die normalerweise von der US-Regierung unterstützt wurden.

Warum hat die CIA sie unterstützt? Weil diese neue künstlerische Bewegung im Propagandakrieg mit der Sowjetunion als Beweis für die Kreativität, die intellektuelle Freiheit und die kulturelle Macht der USA angeführt werden konnte. Die russische Kunst, eingezwängt in die kommunistische ideologische Zwangsjacke, konnte da nicht mithalten.

Die Existenz dieser Politik, die jahrelang als Gerücht kursierte und umstritten war, wurde nun zum ersten Mal von ehemaligen CIA-Beamten bestätigt. Ohne dass die Künstler davon wussten, wurde die neue amerikanische Kunst heimlich im Rahmen einer Politik gefördert, die als „lange Leine“ bekannt ist – eine Regelung, die in gewisser Weise der indirekten CIA-Unterstützung der von Stephen Spender herausgegebenen Zeitschrift Encounter ähnelt.

Die Entscheidung, Kunst und Kultur in das Arsenal des Kalten Krieges einzubeziehen, wurde gleich nach der Gründung der CIA im Jahr 1947 getroffen. Aus Enttäuschung über die Anziehungskraft, die der Kommunismus noch immer auf viele Intellektuelle und Künstler im Westen ausübte, richtete die neue Behörde eine Abteilung ein, das Propaganda Assets Inventory, das auf seinem Höhepunkt mehr als 800 Zeitungen, Zeitschriften und öffentliche Informationseinrichtungen beeinflussen konnte. Sie scherzten, es sei wie eine Wurlitzer-Jukebox: Wenn die CIA einen Knopf drückte, konnte sie jede beliebige Melodie in der ganzen Welt spielen lassen.

Der nächste wichtige Schritt erfolgte 1950, als unter der Leitung von Tom Braden die Abteilung Internationale Organisationen (IOD) eingerichtet wurde. Diese Abteilung subventionierte die Zeichentrickversion von George Orwell’s „Farm der Tiere“, förderte amerikanische Jazzkünstler, Opernkonzerte und das internationale Tourneeprogramm des Boston Symphony Orchestra. Seine Agenten wurden in der Filmindustrie, in Verlagen und sogar als Reiseschriftsteller für die berühmten Fodor-Reiseführer eingesetzt. Und, wie wir heute wissen, förderte sie Amerikas anarchische Avantgardebewegung, den Abstrakten Expressionismus.

Quelle: www.independent.co.uk | „Modern art was CIA weapon“ | 22.10.1995 | Frances Stonor Saunders

Übersetzung: www.skynetblog.de
Hervorhebungen: www.skynetblog.de


Quellennachweise:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kongress_f%C3%BCr_kulturelle_Freiheit

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Monat

http://www.uni-kiel.de/psychologie/mausfeld/pubs/Mausfeld_Die_Angst_der_Machteliten_vor_dem_Volk.pdf

http://programm.ard.de/TV/arte/benutzt-und-gesteuert/eid_287246476290120

https://de.wikipedia.org/wiki/Central_Intelligence_Agency#Bekannte_Operationen


https://www.independent.co.uk/news/world/modern-art-was-cia-weapon-1578808.html

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