Nudging (3) Wann ist es Manipulation?

Was ist Manipulation?

“[Cass] Sunstein warb bei einem Besuch im Januar [2015 Anmerk.] im Bundeskanzleramt noch einmal nachdrücklich für die Verhaltensökonomie. „Wichtig ist es, die Prinzipien von Transparenz und Neutralität einzuhalten“, sagte er. „Dann kann Nudging ein sehr erfolgreiches Instrument sein, um das Glück der Bürger zu steigern.“ [1]


Die Methoden des Framings, Primings, Nudgings usw. können unser Verhalten beeinflussen. Sie können offensichtlich und auch verdeckt wirksam werden. Das Problem ist, dass sie auch dann wirksam werden können, wenn sie als Manipulationstechniken erkannt wurden. So bleibt der Frame eines Produktes oder einer Werbung auch dann wirksam (wenn auch in abgeminderter Form), wenn sie das Wort Framing (oder das Wort Werbung) einblenden oder auf die Verpackung drucken.

Es ist also nur eine bedingt wirksame Gegenmaßnahme, wenn die Bundesregierung sagt, sie werde diese Methoden transparent machen. Die Methoden bleiben wirksam.

Nudging Teil 1 Was ist Nudging?
Nudging Teil 2 Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung
Nudging Teil 3 Wann ist es Manipulation?
Nudging Teil 4 Kein öffentliches Interesse?

Eine Definition

Der Begriff Manipulation (…) bedeutet im eigentlichen Sinne „Handhabung“ und wird in der Technik auch so verwendet.

Darüber hinaus ist Manipulation auch ein Begriff aus der Psychologie, Soziologie und Politik und bedeutet die gezielte und verdeckte Einflussnahme, also sämtliche Prozesse, welche auf eine Steuerung des Erlebens und Verhaltens von Einzelnen und Gruppen zielen und diesen verborgen bleiben sollen (Camouflage, Propaganda). Abzugrenzen sind der Vorgang der Manipulation und seine Alltagserscheinungen von der psychologischen Methode der Experimentellen Manipulation.
Quelle:
wikipedia.de [2]


Soft-Power-Techniken

Wenn wir zwischen dem Versuchen Unterscheiden, die Meinung oder das Verhalten einer Person offensichtlich zu beeinflussen, zum Beispiel durch massive Werbung oder Drohungen und dem Versuch dies versteckt zu tun, können wir dann Manipulation ausreichend definieren?

Bei verschiedenen Tätigkeiten wird der Begriff Manipulation im Sinne von “Veränderung” angewendet. In der Psychologie, Soziologie und Politik wird Manipulation als eine verdeckte Handlung beschrieben. Die Grenze zwischen der Einflussnahme auf Personen und einer Manipulation ist also die Transparenz der Aktion.

In Bezug auf das Thema der Propaganda bedeutet eine Manipulation durch Soft-Power-Techniken, dass Propaganda (und Fake News) auch dann eine Wirksamkeit entfalten können, wenn sie enttarnt wurden. Die Tendenz zu einer Veränderung ist geringer, bleibt aber bestehen. Ist Nudging, dieser Logik folgend also keine Manipulation, solange darauf hingewiesen wird?


Limits of Control

Der Hinweis macht aber das Nudging nicht unwirksam.
Der Einfluss auf den Reiz-Empfänger bleibt bestehen. Die Entscheidungsprozesse des Menschen sind keine bewussten Prozesse. Und das bedeutet, dass unser Bewusstsein unsere eigenen Entscheidungsprozesse selbst nicht gänzlich erfassen kann.

Wenn wir uns für etwas entscheiden, laufen vor und während dieses Augenblicks Hirnprozesse ab, die uns nicht bewusst sind. Und zumindest für einfache Entscheidungen konnten Wissenschaftler nun erneut zeigen, dass zumindest manchmal schon klar ist wie das Ergebnis aussieht, bevor es uns bewusst wird.

Anhand der Vorgänge im Gehirn ist es Forschern des Max-Planck-Instituts für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig, der Charité -Universitätsmedizin Berlin sowie des Bernstein Zentrums für Computational Neuroscience Berlin gelungen, mit großem Erfolg vorherzusagen, wie eine einfache Entscheidung ausfällt, bevor ihre Versuchspersonen sich dessen bewusst waren.

Möglich ist dies, weil sich Stoffwechselvorgänge im Gehirn mit Hilfe einer Kernspintomographie sichtbar machen lassen. Und in 60 Prozent der Fälle wussten die Forscher schon bis zu zehn Sekunden vor dem Zeitpunkt, zu dem die Probanden sich bewusst entschieden hatten, wie das Ergebnis aussehen würde.
Quelle: www.sueddeutsche.de | 17.05.2010 | [3]


Was sind Entscheidungen?

Doch auch wenn Libet-Experiment keinen eindeutigen Beweis gegen die Möglichkeit freier Willensentscheidungen liefern konnte, so ist die Hirnforschung von einem Beweis freier Entscheidungsfähigkeit noch viel weiter entfernt. Die Ergebnisse der Forschungen legen nahe, dass der Wille eher eine vom Gehirn erzeugte Empfindung als eine unabhängige Instanz ist.
Quelle: www.planet-wissen.de [4]


“Grundsätzlich resultiert das Verhalten des Menschen aus einer Abfolge von Entscheidungen im Abstand von Sekundenbruchteilen oder Minuten. (Der Mensch) kann sie bewusst oder unbewusst, sofort oder in Form eines längeren Abwägungsprozesses fällen (…)”
Quelle: wikipedia.org [5]


Transparenz allein schützt die Menschen also nicht wirksam vor den Einflüssen auf ihre Entscheidungsprozesse.


Transparenz kann also in diesem Themenkomplex nicht die Bemessungsgrundlage sein, um das Regierungshandeln zu bewerten, sondern muss als Voraussetzung betrachtet werden. Als ein Minimum an Standards in der Kommunikation zwischen der Regierung und den Bürgern, damit die Bürger dadurch die Möglichkeit erhalten, das Regierungshandeln beurteilen zu können.
Transparenz ist nicht das Ziel, sondern nur der Indikator zur Beurteilung einer möglichen Manipulation.


Quellennachweise:

[1]
https://www.welt.de/wirtschaft/article138326984/Merkel-will-die-Deutschen-durch-Nudging-erziehen.html


[2]
https://de.wikipedia.org/wiki/Manipulation


[3]
http://www.sueddeutsche.de/wissen/entscheidungen-das-bewusstsein-kommt-spaeter-1.198153


[4]
http://www.planet-wissen.de/natur/forschung/hirnforschung/pwiedaslibetexperiment100.html


[5]
https://de.wikipedia.org/wiki/Entscheidung#Wissenschaftliche_Ans.C3.A4tze


 

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