[Zitat] Heinrich Heine über Kommunismus

Heinrich Heine über Kommunismus

XLV

Paris, 20. Juni 1842

„(…) Aber die Verwirrungen, Verwicklungen und momentanen Nöten, worin die Regierung infolge dieses Treibens geraten kann, geben den dunkeln Gewalten, die im verborgenen lauern, das Signal zum Losbruch, und wie immer erwartet die Revolution eine parlamentarische Initiative.
Das entsetzliche Rad käme dann wieder in Bewegung, und wir sähen diesmal einen Antagonisten auftreten, welcher der schrecklichste sein dürfte von allen, die bisher mit dem Bestehenden in die Schranken getreten. Dieser Antagonist bewahrt noch sein schreckliches Inkognito und residiert wie ein dürftiger Prätendent in jenem Erdgeschoß der offiziellen Gesellschaft, in jenen Katakomben, wo unter Tod und Verwesung das neue Leben keimt und knospet.

Kommunismus ist der geheime Name des furchtbaren Antagonisten, der die Proletarierherrschaft in allen ihren Konsequenzen dem heutigen Bourgeoisieregimente entgegensetzt. Es wird ein furchtbarer Zweikampf sein. Wie möchte er enden? Das wissen die Götter und Göttinnen, denen die Zukunft bekannt ist.
Nur soviel wissen wir: der Kommunismus, obgleich er jetzt wenig besprochen wird und in verborgenen Dachstuben auf seinem elenden Strohlager hinlungert, so ist er doch der düstre Held, dem eine große, wenn auch nur vorübergehende Rolle beschieden in der modernen Tragödie und der nur des Stichworts harrt, um auf die Bühne zu treten. Wir dürfen daher diesen Akteur nie aus den Augen verlieren, und wir wollen zuweilen von den geheimen Proben berichten, worin er sich zu seinem Debüt vorbereitet. Solche Hindeutungen sind vielleicht wichtiger als alle Mitteilungen über Wahlumtriebe, Parteihader und Kabinettsintrigen.“


XLVI

Paris, 12. Juli 1842

Das Resultat der Wahlen werden Sie aus den Zeitungen ersehen. Hier in Paris braucht man nicht erst die Blätter darüber zu konsultieren, es ist auf allen Gesichtern zu lesen.
Gestern sah es hier sehr schwül aus, und die Gemüter verrieten eine Aufregung, wie ich sie nur in großen Krisen bemerkt habe. Die alten wohlbekannten Sturmvögel rauschten wieder unsichtbar durch die Luft, und die schläfrigsten Köpfe wurden plötzlich aufgeweckt aus der zweijährigen Ruhe.
Ich gestehe, daß ich selbst, angeweht von dem furchtbaren Flügelschlag, ein gewaltiges Herzbeben empfand. Ich fürchte mich immer im ersten Anfang, wenn ich die Dämonen der Umwälzung entzügelt sehe; späterhin bin ich sehr gefaßt, und die tollsten Erscheinungen können mich weder beunruhigen noch überraschen, eben weil ich sie vorausgesehen.
Was wäre das Ende dieser Bewegung, wozu Paris wieder, wie immer, das Signal gegeben? Es wäre der Krieg, der gräßlichste Zerstörungskrieg, der leider die beiden edelsten Völker der Zivilisation in die Arena riefe zu beider Verderben; ich meine Deutschland und Frankreich. England, die große Wasserschlange, die immer in ihr ungeheures Wassernest zurückkriechen kann, und Rußland, das in seinen ungeheuren Föhren, Steppen und Eisgefilden ebenfalls die sichersten Verstecke hat, diese beiden können in einem gewöhnlichen politischen Kriege, selbst durch die entschiedensten Niederlagen, nicht ganz zugrunde gerichtet werden: – aber Deutschland ist in solchen Fällen weit schlimmer bedroht, und gar Frankreich könnte in der kläglichsten Weise seine politische Existenz einbüßen. Doch das wäre nur der erste Akt des großen Spektakelstücks, gleichsam das Vorspiel.

Der zweite Akt ist die europäische, die Weltrevolution, der große Zweikampf der Besitzlosen mit der Aristokratie des Besitzes, und da wird weder von Nationalität noch von Religion die Rede sein: nur ein Vaterland wird es geben, nämlich die Erde, und nur einen Glauben, nämlich das Glück auf Erden.
Werden die religiösen Doktrinen der Vergangenheit in allen Landen sich zu einem verzweiflungsvollen Widerstand erheben, und wird etwa dieser Versuch den dritten Akt bilden? Wird gar die alte absolute Tradition nochmals auf die Bühne treten, aber in einem neuen Kostüm und mit neuen Stich- und Schlagwörtern? Wie würde dieses Schauspiel schließen? Ich weiß nicht, aber ich denke, daß man der großen Wasserschlange am Ende das Haupt zertreten und dem Bären des Nordens das Fell über die Ohren ziehen wird.
Es wird vielleicht alsdann nur einen Hirten und eine Herde geben, ein freier Hirt mit einem eisernen Hirtenstabe und eine gleichgeschorene, gleichblökende Menschenherde!
Wilde, düstere Zeiten dröhnen heran, und der Prophet, der eine neue Apokalypse schreiben wollte, müßte ganz neue Bestien erfinden, und zwar so erschreckliche, daß die älteren Johanneischen Tiersymbole dagegen nur sanfte Täubchen und Amoretten wären. Die Götter verhüllen ihr Antlitz aus Mitleid mit den Menschenkindern, ihren langjährigen Pfleglingen, und vielleicht zugleich auch aus Besorgnis über das eigene Schicksal. Die Zukunft riecht nach Juchten, nach Blut, nach Gottlosigkeit und nach sehr vielen Prügeln.

Ich rate unsern Enkeln, mit einer sehr dicken Rückenhaut zur Welt zu kommen.

Heinrich Heine

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[Zitat] Jordan Peterson – hundert Millionen Tote sind genug

„Die Tatsache, dass die Postmodernisten es wagen, sich als Marxisten zu bezeichnen, ist auch etwas, das ich nicht so sehr intellektuell verwerflich, als vielmehr moralisch abstoßend finde. Und eines der Dinge, die – eines der Dinge, dass die Postmodernisten – postmoderne Neomarxisten immer wieder behaupten, ist, dass sie nichts als Mitgefühl für die Unterdrückten haben.

Und ich würde sagen, dass jeder, der mehr als nur eine oberflächliche Kenntnis der Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts hat und der es wagt, gleichzeitig zu behaupten, dass er Mitgefühl für die Unterdrückten hat und dass er ein Marxist ist, hat seine Ignoranz gegenüber der Geschichte offenbart. Das ist so erstaunlich, dass es tatsächlich eine Art Wunder ist oder eine Art von Böswilligkeit, die so verwerflich ist, dass sie fast unaussprechlich ist.

Denn wir haben das Gleichheitsexperiment im Laufe des Jahrhunderts schon einmal durchgeführt, und wir wissen bereits, was die marxistischen Doktrinen für die unterdrückten Menschen auf der ganzen Welt getan haben, und die Antwort darauf lautete meist: gefangen nehmen, versklaven, einsperren und knechten, sie bis zum Tode arbeiten lassen oder sie hinrichten.

Und soweit ich das beurteilen kann, entspricht das nicht gerade einer Botschaft des Mitgefühls, und deshalb glaube ich nicht, dass die postmodernen Neomarxisten ein Standbein haben, auf dem sie ethisch oder intellektuell oder emotional stehen können.

Und ich denke, dass man ihnen aus einer intellektuellen Perspektive, einer informierten intellektuellen Perspektive, so hart wie möglich nachgehen sollte.

Und dies ist im Grunde ein Krieg der Ideen, und das ist die – es ist die analytische Grundlage, auf der er ausgefochten werden sollte. Und es ist nicht nur ein Krieg der Ideen. Ich denke, er ist einer, der gewonnen werden kann, weil ich glaube, dass vor allem die französischen intellektuellen Postmodernisten ein Rudel von, wie würden Sie sie nennen, sind – nun, wir könnten mit Scharlatanen anfangen, und das ist eine gute Möglichkeit, Pseudo-Intellektuelle wäre auch gut, Missgünstige wäre eine andere.

Und dann würde ich sie auch als höchst betrügerisch in ihren intellektuellen Strategien betrachten, denn fast alle von ihnen waren marxistische studentische Intellektuelle, und sie wussten zu der Zeit, als der Gulag-Archipel herauskam und sogar schon vorher, dass die Alpträume der Sowjetunion und des maoistischen China von solchem Ausmaß waren, dass sie jeden Anspruch auf ethische Rechtfertigung, den die grundlegenden marxistischen Doktrinen jemals zu manifestieren vermochten, völlig entkräftet hatten.

Und so ist es eine, es ist eine No-Go-Zone. Soweit es mich intellektuell betrifft, ist das Spiel vorbei. Wir haben bereits herausgefunden, dass es eine begrenzte Anzahl von Interpretationsmöglichkeiten gibt.

Und wir verstehen auch, warum es sie gibt und wie sie sich entwickelt haben, und aus der Perspektive der politischen Argumentation gibt es im 21. Jahrhundert absolut keine Entschuldigung dafür, die marxistische Doktrin so darzustellen, als sei sie das Beste, dass von den Mitfühlenden eingesetzt wird – das absolut Großartigste, das von den Mitfühlenden für die Unterdrückten eingesetzt werden kann.

Tut mir leid, der Versuch hat nicht funktioniert.
Wir haben hundert Millionen Tote, um es zu beweisen, und das ist genug für mich. Und wenn es für Sie nicht gut genug ist, dann sollten Sie ernsthaft entweder über Ihr historisches Wissen oder über die Moral Ihres Charakters nachdenken.
Das ist also das erste.“

 

Jordan B. Peterson

 

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[Zitat] Aldous Huxley – eine Diktatur ohne Tränen

„In der Schönen Neuen Welt war die Verteilung dieser mysteriösen Droge, die ich Soma nannte und deren Name jetzt von den Wallace Laboratories übernommen wurde (für etwas, das nicht annähernd so gut ist, könnte ich sagen),
die Verteilung dieser Droge war eine der Planken in der politischen Plattform – sie war gleichzeitig eines der großen Machtinstrumente in den Händen der Zentralbehörde, und gleichzeitig war es eines der großen Privilegien der Massen, diese Droge nehmen zu dürfen, weil sie sie so glücklich machte.

Das war natürlich eine Fantasie, aber es ist eine Fantasie, die jetzt viel näher an der Realisierung ist, als ich dachte, als sie es damals sicherlich war. Und es scheint mir perfekt in den Karten zu stehen, dass es in der nächsten Generation oder so, eine pharmakologische Methode geben wird, um die Menschen dazu zu bringen, ihre Knechtschaft zu lieben und sozusagen eine Diktatur ohne Tränen zu produzieren. Eine Art schmerzloses Konzentrationslager für ganze Gesellschaften zu schaffen, damit den Menschen tatsächlich ihre Freiheiten genommen werden können, sie es aber eher genießen, weil sie von jedem Wunsch nach Rebellion abgelenkt werden – durch Propaganda, Gehirnwäsche oder Gehirnwäsche, die durch pharmakologische Methoden verstärkt wird.
Und das scheint mir die letzte Revolution zu sein.“

Aldous Huxley

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[Zitat] Jordan Peterson über die Zerstörung der Kultur

Die Kinder fangen an, diesen Ort zu verbrennen und ihn zu verwüsten. Sie ziehen einen Flügel die Treppe hinunter. Es ist die Zerstörung der Hochkultur, auf die sie nur zynisch zu blicken wissen, weil sie nicht glauben, dass harte Arbeit und Opfer etwas von irgendeinem Wert produzieren können. Sie wollen sie niederreißen und zerstören.
Man kann es in der Geschichte von Kain und Abel sehen. Abel arbeitet hart und jeder mag ihn, und er bringt die richtigen Opfer, so dass sein Leben wirklich gut läuft. Und das ist einer der Gründe, warum Kain ihn hasst. Er ist eifersüchtig und ärgerlich, aber schlimmer als das ist noch – wenn es dir nicht sehr gut geht und du mit jemandem zusammen bist, dem es sehr gut geht, ist es schmerzhaft, weil dich die bloße Tatsache ihres Seins beurteilt.
Und so ist es sehr einfach, dieses Ideal zerstören zu wollen, damit man nicht mit den schrecklichen Folgen leben muss, wenn man es vor sich verkörpert sieht. Und das ist ein Teil der Ursache, warum Menschen Dinge niederreißen wollen, so dass sie nichts mehr haben, gegen das sie sich abgrenzen und sich schlecht fühlen müssen. Und genau das ist es, was hier passiert. DIe Kinder zerstören all diese Kultur, denn die Tatsache, dass sie existiert, beurteilt sie.

Jordan Peterson

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[Zitat] Neil Postman über George Orwell und Aldous Huxley

„Was Orwell fürchtete, waren diejenigen, die Bücher verbieten würden. Was Huxley befürchtete, war, dass es keinen Grund geben würde, ein Buch zu verbieten, denn es würde niemanden geben, der eines lesen wollte. Orwell fürchtete diejenigen, die uns Informationen vorenthalten würden. Huxley fürchtete diejenigen, die uns so viel geben würden, dass wir auf Passivität und Egoismus reduziert würden. Orwell befürchtete, dass die Wahrheit vor uns verborgen bleiben würde. Huxley befürchtete, dass die Wahrheit in einem Meer der Irrelevanz ertrinken würde. Orwell befürchtete, dass wir eine Gesellschaft der Gefangenen werden würden. Huxley befürchtete, dass wir eine triviale Kultur werden würden, die sich mit einem Äquivalent der Fühlfilme, der Rutschiputschi und der Zentrifugalbrummball beschäftigt.

Wie Huxley in Brave New World Revisited bemerkte, haben die bürgerlichen Liberalisten und Rationalisten, die immer auf der Hut sind, um sich der Tyrannei zu widersetzen, “nicht berücksichtigt, dass der Mensch einen fast unendlichen Appetit auf Ablenkungen hat”. 1984, fügte Orwell hinzu, werden Menschen durch das Zufügen von Schmerzen kontrolliert. In der Schönen Neuen Welt werden sie durch das Vergnügen gesteuert.

Kurz gesagt, Orwell hatte Angst, dass das, was wir fürchten, uns ruinieren würde. Huxley fürchtete, dass das, was wir uns wünschen, uns ruinieren würde. In diesem Buch geht es um die Möglichkeit, dass Huxley, nicht Orwell, Recht hatte.“

Neil Postman

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[Zitat] Martin Schulz – Vereinigte Staaten von Europa

„Seit 1925 (…) fordert die SPD die Vereinigten Staaten von Europa. (…) Und deshalb frage ich Euch: Warum nehmen wir uns eigentlich jetzt nicht vor (…) spätestens im Jahre 2025 diese Vereinigten Staaten von Europa verwirklicht zu haben?“

Martin Schulz

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Segel setzen Genossen, es ist Europawahl!

Ein Kommentar zur Europawahl 2019 (cui bono?)

Vom 18. Januar bis zum 20. Januar 2019 fand die Klausurtagung der Berliner SPD-Fraktion mit immerhin 100 Personen statt.[1] Der Tagungsort war das Hotel „Yachthafenresidenz Hohe Düne“,[2][3] ein Viersternehotel mit 5 Bars und 6 Restaurants, eines davon mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Mit den Steuergeldern der Bürger wird ein Luxus Hotel bezahlt, in dem dann Politiker darüber beraten, wie sie nun endlich dafür Sorge tragen können, dass die Bürger mehr Geld in der Tasche haben. Ein Stück Realsatire, aufgeführt von Rolex-Sozialisten. Wo auch sonst lässt es sich denn besser über die Armut der Anderen, den Mindestlohn, Altersarmut und Pflege, Obdachlosigkeit (Punkt 3.1) oder andere soziale Probleme unserer Gesellschaft reden, als in einem Viersternehotel und auf Kosten derer, über deren „Würde“ man nun dringend mal wieder so kurz vor den Wahlen reden muss?

Aber bitte sprechen Sie nicht über das Fehlverhalten der SPD, denn das könnte den „Rechten“ helfen. Es wäre besser diese Tür zuzulassen, sonst könnten mit dem frischen Wind auch neue Gedanken in die linke Echokammer kommen.

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[Update 2] Entwicklung des Arbeitsmarktes (IFG Antwort)

Am 25. Januar 2017 habe ich den Artikel Die Veränderungen des Arbeitsmarktes und am 03. Februar 2018 das Update Der Glaube der Arbeitsministerin Nahles veröffentlicht.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) hat inzwischen auf meine Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) vom 04.11.2017 geantwortet.
Und am 22.02.2018 war Frau Andrea Nahles (SPD) in der Talkshow Maybritt Illner (ZDF) zu Gast. Das Thema der Sendung: “Digital oder sozial – die Angst um die Arbeit von morgen”.Genug Gründe um das Update zu Updaten.

  • IFG Anfrage vom 04.11.2017
  • Antwort des BMAS vom 20.02.2018
  • Ein Kommentar
  • Drei Zitate (Andrea Nahles bei Maybritt Illner am 22.02.2018)
  • Anmerkung zum Niedriglohnsektor
  • So viele Fragen
  • Quellennachweise und Publikationen zum Thema (PDF Downloads)

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Das Modell der “Kartellparteien” (Katz/Mair)

politische Partizipation 9.1 Das Modell der “Kartellparteien”

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In diesem Beitrag möchte ich das Modell der „Kartellparteien“ von Richard S. Katz und Peter Mair kurz vorstellen und zwei Begriffe hervorheben, auf die ich im Folgenden näher eingehen möchte:

  • strategische Kooperation und
  • staatliche Parteienfinanzierung.

Ein Vergleich dieser Indikatoren mit aktuellen Nachrichten und Beispielen aus den letzten Jahren lässt eine eindeutige Tendenz erkennen. Der Apparat verteidigt das von ihm selbst geschaffene System. Aber wohin führen diese Entwicklungen letzten Endes? (mehr …)

Intendanten, Milliardäre und andere Strohmänner

Es ist schon eine Weile her, da habe ich auf einige Videos hingewiesen, die helfen können, inhaltslose Sprechblasen von Politikern zu erkennen. Politische Rhetorik entschlüsselt…


Nun ein weiterer Ausflug in die Rhetorik, auf der Suche nach einer Begründung für das umstrittene Einkommen eines einflussreichen Medienfunktionärs und Meinungsmachers.

Als im September 2017 das Gehalt des Intendanten des Westdeutschen Rundfunks (WDR) Tom Buhrow veröffentlicht wurde, verteidigte er sein Einkommen mit einer Auswahl klassischer Scheinargumente (argumentum ad hominem), die immer wieder in der öffentlichen Debatte zu finden sind. Es ist also an der Zeit, einige dieser Scheinargumente zu erklären um sie zum Beispiel auch in den Massenmedien (Talkshows) wiedererkennen zu können.
Lassen Sie sich nicht vom Thema ablenken.

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Gleichstellung von Mann und Frau? (ohne Worte)

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland Art 3

(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.
Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.


https://www.gesetze-im-internet.de/gg/art_3.html


Gesetz für die Gleichstellung von Frauen und Männern
in der Bundesverwaltung und in den Unternehmen und Gerichten des Bundes (Bundesgleichstellungsgesetz – BgleiG)

Ausfertigungsdatum: 24.04.2015

Abschnitt 5
Gleichstellungsbeauftragte, Stellvertreterin und Vertrauensfrau
Nichtamtliches Inhaltsverzeichnis
§ 19 Wahl, Verordnungsermächtigung

(1) In jeder Dienststelle mit in der Regel mindestens 100 Beschäftigten werden eine Gleichstellungsbeauftragte und eine Stellvertreterin gewählt. Satz 1 gilt auch für oberste Bundesbehörden mit in der Regel weniger als 100 Beschäftigten. Die Wahl der Gleichstellungsbeauftragten und der Stellvertreterin findet in getrennten Wahlgängen nach Maßgabe der allgemeinen Wahlrechtsgrundsätze statt. Wiederwahlen sind zulässig. Wahlberechtigt und wählbar sind die weiblichen Beschäftigten der Dienststelle.


https://www.gesetze-im-internet.de/bgleig_2015/BJNR064300015.html


“Alle Tiere sind gleich. Aber manche sind gleicher als die anderen.”

George Orwell


 

 

Bundeszentrale für politische Bildung – Was ist Propaganda?

Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information:
Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.

Bundeszentrale für politische Bildung (2011)

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Nudging (4) Kein öffentliches Interesse?

Im ersten Teil über das Thema “Nudging” wurden die Grundlagen der Methode beschrieben. Zusammengefasst: Beim Nudging geht es darum, das Verhalten einer Person zu beeinflussen ohne eine Belohnung oder eine Sanktion mit dem Verhalten zu verbinden. Der zweite Teil zeigte Beispiele für den Einsatz von Nudging und stellte die Agenda der Bundesregierung für “wirksames Regieren” vor. Im dritten Teil wurde erklärt, wann Nudging zu Manipulation wird.

In diesem Teil wird die Frage nach der Möglichkeit einer wirksamen Kontrolle dieser Methoden durch die Zivilgesellschaft gestellt und an zwei Beispielen erklärt, dass diese Kontrolle politisch nicht gewollt ist. Ich habe zwei Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) an die Bundesregierung zum Thema Nudging gestellt und keine Antworten bekommen.

Es könnte beim Bürger der Eindruck entstehen, dass diese Bundesregierung lieber mit psychologischen “Tricks” regiert, als durch fachliches Wissen, mit guten Argumenten und Inhalten zu überzeugen.
Und diesem Gedanken habe ich leider nichts entgegenzusetzen.


Nudging Teil 1 Was ist Nudging?
Nudging Teil 2 Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung.
Nudging Teil 3 Was ist Manipulation?
Nudging Teil 4 Kein öffentliches Interesse?

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[Interview] Aldous Huxley – Wiedersehen mit der schönen neuen Welt

Rating:

Aldous Huxley und sein Wiedersehen mit der “Wackeren neuen Welt”.

1932 erschien das Buch “Schöne neuen Welt”[1] von Aldous Huxley. 1957 wurde Brave New World Revisited[2] veröffentlicht. In “Wiedersehen mit der schönen neuen Welt” spricht Aldous Huxley über seinen Roman nach 25 Jahren im Kontext der wissenschaftlichen Entwicklungen seiner Zeit.

Weitere 50 Jahre später können wir heute dem Schriftsteller zuhören und seine Beschreibung von einer wissenschaftlichen Diktatur mit unserer Gegenwart vergleichen.

Sehr Empfehlenswertes Video.


Die Diktatoren der Vergangenheit haben ihren Willen durch Gewalt und durch Gewaltandrohung durchgesetzt. Ihr Hauptmittel an der Macht zu bleiben war der Terror. Die wissenschaftlichen Diktatoren der Zukunft, das heißt der Typ von Diktatoren den ich in meiner “schönen neuen Welt”[1] beschrieben habe, wird, glaube ich, den Terror vermutlich nicht anwenden. Diese Diktatoren werden von dem Terror Abstand nehmen, nicht etwa, weil sie menschlicher sind als die Diktatoren der Vergangenheit, sondern einfach deshalb, weil der Terror relativ wirkungslos ist.

Ich glaube, dass wissenschaftliche Diktaturen sich verschiedener wissenschaftlicher Mittel bedienen werden, durch die man mit den Menschen Manipulieren kann. Wir wissen heute mehr über die Funktion des Nervensystems als Früher. Früher wusste man intuitiv und aus Erfahrung, wie man mit Menschen wohl am besten manipuliert. Heute aber weiß man aufgrund wissenschaftlicher Untersuchungen, wie man Menschen am besten dazu bringt, ihre Versklavung zu lieben. Das war genau das, was ich in meiner “schönen neuen Welt”[1] herausstellen wollte.

Ich fürchte, dass mit wissenschaftliche Diktaturen der Zukunft die Entwicklung mehr und mehr in diese Richtung treibt. Das heißt, es wird eine Gesellschaft entstehen, in der die Bedingungen wirklich unmenschlich sind. In der aber mit der Verstand[3] der Massen so manipuliert wird, dass die Menschen diese Bedingungen nicht nur akzeptieren, sondern sie geradezu lieben. Bedingungen, die sie eigentlich ablehnen und hassen sollten.
Aber durch Manipulation des Verstandes[3] werden sie dazu gebracht, sie zu lieben.[5]

Aldous Huxley

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Nudging (3) Wann ist es Manipulation?

Was ist Manipulation?

“[Cass] Sunstein warb bei einem Besuch im Januar [2015 Anmerk.] im Bundeskanzleramt noch einmal nachdrücklich für die Verhaltensökonomie. „Wichtig ist es, die Prinzipien von Transparenz und Neutralität einzuhalten“, sagte er. „Dann kann Nudging ein sehr erfolgreiches Instrument sein, um das Glück der Bürger zu steigern.“ [1]


Die Methoden des Framings, Primings, Nudgings usw. können unser Verhalten beeinflussen. Sie können offensichtlich und auch verdeckt wirksam werden. Das Problem ist, dass sie auch dann wirksam werden können, wenn sie als Manipulationstechniken erkannt wurden. So bleibt der Frame eines Produktes oder einer Werbung auch dann wirksam (wenn auch in abgeminderter Form), wenn sie das Wort Framing (oder das Wort Werbung) einblenden oder auf die Verpackung drucken.

Es ist also nur eine bedingt wirksame Gegenmaßnahme, wenn die Bundesregierung sagt, sie werde diese Methoden transparent machen. Die Methoden bleiben wirksam.

Nudging Teil 1 Was ist Nudging?
Nudging Teil 2 Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung
Nudging Teil 3 Wann ist es Manipulation?
Nudging Teil 4 Kein öffentliches Interesse?

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Nudging (2) Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung

Im ersten Teil über dieses Thema wurden die Grundlagen der “Nudging-Methode” beschrieben. Dieser Beitrag beschreibt, was Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung ist und wiederholt die Kritik am Nudging aus dem ersten Teil. Ist die massenhafte Manipulation von Bürgern mit unserem Grundgesetz zu vereinbaren? Wie transparent ist der Einsatz von psychologischen Methoden zum Beispiel in der Werbung oder im Wahlkampf?

Stellen Sie sich vor was passieren würde, wenn im Wahljahr 2017 die Alternative für Deutschland (AfD) in das Kanzleramt einziehen würde und dann berichten zum Beispiel der STERN oder die Tagesschau darüber, dass das Bundeskanzleramt nun mit Hilfe psychologischer Methoden eine neue Strategie entwickelt, um die Bürger “wirksamer zu regieren”. Wir hätten vermutlich wochenlang Schlagzeilen und das auch zu Recht.
Wenn aber CDU, CSU und SPD “wirksamer regieren” wollen, dies im Koalitionsvertrag vereinbaren [1] und dafür mit Steuergeldern eine Arbeitsgruppe bilden, ist das für die meisten Massenmedien anscheinend ohne größere Bedeutung. Ist Nudging nur eine Lappalie?


Nudging Teil 1 Was ist Nudging?
Nudging Teil 2 Verhaltensökonomisch “richtiges” Handeln im Sinne der Regierung
Nudging Teil 3 Wann ist es Manipulation?
Nudging Teil 4 Kein öffentliches Interesse?

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