[Zitat] Norbert Bolz über Themen, Meinungen und Moral

„Aber auch Journalisten begegnen Ihnen nämlich nicht mehr analytisch und mit Argumenten, sondern sie verschmelzen Themen mit Meinungen und sie verschmelzen Meinungen mit moralischen Bewertungen. Ich glaube, das ist der Schlüssel zum Verständnis, mit dem was passiert in der Öffentlichkeit unserer Tage.

Ihnen werden nicht einfach nur Informationen angeboten. Sondern die Informationen sind mit bestimmten Meinungen, die man zu diesen Informationen haben soll, verknüpft. Und diese Meinungen nun wiederum sind eng verknüpft mit moralischen Bewertungen. Sodass Sie also, wenn Sie bestimmte Meinungen nicht selber vertreten, automatisch in der Ecke der Bösen stehen. Ja, das ist, glaube ich, das große Problem.

Und genauso formiert sich eben dann doch der Gesinnungsjournalismus, der jede abweichende Meinung skandalisiert und der auch jedem den Preis deutlich macht, den man Zahlen muss, wenn man nonkonformistisch sein will, wenn man eine abweichende Meinung äußern will.
Dieser Preis wird immer höher.“

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Kurt Tucholsky – Presse und Realität (1921)

1921 wurde der Text Presse und Realität von Kurt Tucholsky (unter dem Namen Ignaz Wrobel) in “die Weltbühne” veröffentlicht, auf den ich hier aufmerksam machen möchte.

Was hat sich, bald 100 Jahre nachdem Kurt Tucholsky den Text veröffentlicht hat, verändert? Inzwischen sind die Vertriebswege der Presse digitalisiert und Newsfeeds
überfluten uns mit Informationen, wann immer wir es wollen oder auch nicht wollen. Und Neue Medien und Formate sind eine Konkurrenz für die “alten Strukturen”. Aber finden sich die Leser heute besser zu Recht als vor 100 Jahren? Haben Rezipienten heute (im Jahre 11 A.S. – after Smartphone) eine höhere Medienkompetenz, als vor hundert Jahren? Und welchen Stellenwert haben Medien heute? Ist „Presse und Realität“ eine Beschreibung unserer Gegenwart oder ein Rückblick in die Vergangenheit aus Sicht der Gegenwart?
100 Jahre Geschichte des Journalismus in 10 Minuten.

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Bundeszentrale für politische Bildung – Was ist Propaganda?

Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt. Wer Propaganda betreibt, möchte nicht diskutieren und mit Argumenten überzeugen, sondern mit allen Tricks die Emotionen und das Verhalten der Menschen beeinflussen, beispielsweise indem sie diese ängstigt, wütend macht oder ihnen Verheißungen ausspricht. Propaganda nimmt dem Menschen das Denken ab und gibt ihm stattdessen das Gefühl, mit der übernommenen Meinung richtig zu liegen. Hier zeigt sich der große Unterschied etwa zur journalistischen Information:
Journalisten betreiben Aufklärung, indem sie alle verfügbaren Fakten und Hintergründe darlegen und die Menschen selbst entscheiden lassen, was richtig und was falsch ist.

Bundeszentrale für politische Bildung (2011)

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